Der geniale Musikvermittler Stefan Staub machte bei den Sechs-Uhr-Gesprächen in der Lahrer Stadtbücherei Appetit auf Mozart, Klassik und auf Schaubs Vorträge

"Badische Zeitung" vom 12.10.2006

LAHR. Die Offenburger kennen es inzwischen, dieses spezielle "Schaub-Feeling" , durch viele, viele Vorträge, die der Appenweierer Musikwissenschaftler Stefan Schaub für die Offenburger Volkshochschule gemacht hat. Dass die Lahrer es nun auch kennen, dazu trug Schaubs Mozart-Plauderei am Dienstag bei den Sechs-Uhr-Gesprächen in der Stadtbibliothek bei.

Rappelvolles Haus, begeistertes Publikum — eines der Highlights in der Reihe "Alles Mozart". "Mozart im Spiegel seiner Werke" war das Thema, und Schaub startete mit einer Klaviersonate des sechsjährigen Wolferl, spielte danach Mozarts 1. Sinfonie an — der Komponist war gerade acht geworden — , es folgt die Waisenhausmesse, komponiert im Alter von zwölf, danach hören wir, was Mozart als 16-jähriger künstlerisch so trieb.

Und ganz gemäß seinem Anliegen, seine Gäste zum "aktiven Hören" zu verleiten, weist Schaub auf klangliche und rhythmische Finessen hin. Schon die erste Sinfonie, so Schaub, sei typischer Mozart, warm, voller Einfälle. Später bersten seine Werke geradezu. Zur Demonstration zerlegt Schaub eine Minute aus dem Klavierkonzert Nummer 20, d-moll, KV 466 — "Mozarts ultimative Gattung" , wie Schaub findet. Er spielt es via CD, unterbricht, wiederholt, plaudert dazu — oder hebt den Finger: "Jetzt achten Sie bitte auf das Fagott!" Oder auf die Celli, auf die Seufzer in den Streichern, die Wendung vom Grave ins Heitere, und Schaub entwirft im Plauderton sozusagen eine Landkarte dieser Takte: "Eine Minute, aber die Affektlage wechselt fünf Mal!"

Man hört Musik danach anders. Und man kriegt Appetit! Auf Mozart, auf Klassik, auf Schaub sowieso. ...

rob